Umweltbildung – Schulklassen zu Besuch im Tiny PopUp

Kids zu Gast im Tiny House

Das Tiny Pop Up wurde in letzter Zeit regelrecht gestürmt, denn wir hatten nicht nur viele Besichtigungen und Führungen, sondern auch viele Workshops mit Schulklassen. Wir waren selbst überwältig von diesem großen Interesse! Und so hat es sich ergeben, endlich ein paar schöne Workshops auszuarbeiten. Aufgrund der anhaltenden Hitze ohne viel Niederschlag seit Juni war das Thema für die Grundschüler gesetzt: die Drittklässer durften sich Gedanken machen über einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Dazu konnten sie sich von unseren bereits gelebten Lösungen im Tiny House in Pullach inspirieren lassen. Die etwas älteren Kids aus der Mittelschule bearbeiteten das Thema „Stadt der Zukunft“. Für die zukünftigen Einwohnerinnen und Einwohner von München nicht unerheblich. Wohnen in München muss man sich erstmal leisten können und die Betonwüsten in der Stadt sind so nicht mehr zeitgemäß. Zusätzlich ist die Herausforderung, dass Wohnen wieder inklusiver wird: nicht im Süden die Reichen und im Norden das Prekariat. Sondern durchmischt in lebenswerten Vierteln mit kurzen Wegen zu Arbeit, Schule, Kita, Park, Kultur und Läden des täglichen Bedarfs.

Wie können wir nachhaltiger mit Wasser umgehen?

Ohne Wasser kein Leben – das war den Drittklässern sofort klar. Im Workshop zum Thema Wassersparen bei uns im Tiny Pop Up durften die Kinder ihren Ideen für eine bessere Zukunft freien Lauf lassen. Inspiration dafür holten sie sich auch von unseren gelebten Lösungen im Tiny House „DaHome“. Eine Toilette ohne Wasserspülung, eine Duschanzeige, die den aktuellen Verbrauch in Litern angibt und eine Fassade, die mit Grauwasser begrünt wird. Das ist natürlich alles erstmal Neuland. Auch so ein kleines Haus ist erstmal irrtierend. Aber je jünger die Kinder, desto selbstverständlicher gehen sie damit um, dass auch weniger Platz reichen kann. Aber zurück zum Wasser. Dass ein WC auch ohne Trinkwasser funktioniert, wurde allen klar. Ob es dann ein DC, also ein dry closet mit einem Trenneinsatz für Fest und Flüssig ist oder ein WC mit Regenwasser geführt, kommt natürlich auch darauf an, mit was man sich wohler fühlt. Den Unterschied zwischen Grau-, Schwarz- und Brauchwasser haben die Kinder schnell begriffen. Denn eine Aufgabe war, sich zu überlegen, wofür Brauchwasser noch verwendet werden könnte, bevor es in die Kanalisation geht und in einer Sackgasse landet anstatt in einem Kreislauf. Ein kurze Auffrischung für alle Sanitäranfänger: Grauwasser = Abwasser von Dusche, Spüle etc. OHNE Toilette. Schwarzwasser = Grauwasser + Toilette, also Fäzes und Urin. Und Brauchwasser ist gefiltertes Grauwasser, das zwar noch keine Trinkwasserqualität hat, aber trotzdem für einiges verwendet werden könnte, wenn es die Gesetzte erlauben würden. Wir schalten an unserem Tiny Home z.B. eine Fassadenbegrünung mit Sumpfpflanzen zwischen, bevor das Wasser in den Kanal geht. Aber natürlich könnte man das Wasser für vielerlei Dinge noch nutzen, bevor es ungenutzt in die Kläranlage geht. Die Kinder hatten da folgende Verwendungsvorschläge: Gießen, Autowaschen, zum Trinken für Tiere, Putzen und Reinigen, Waschmaschine, Spülmaschine, Toilettenspülung und fürs Duschen. Und nicht nur das Wasser selbst kann wiederverwendet werden, auch die Energie, die im Abwasser steckt, könnte noch genutzt werden. Aber das ist ein Thema für den nächsten Workshop…

Wichtig war uns, dass die Kinder ein Gespür für Ihren Wasserverbrauch bekommen und Ideen für einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser entwicklen können. Das bedeutet nicht, dass alle nur noch 10 Liter Wasser pro Tag verbrauchen sollen, so wie wir im Tiny House. Aber etwas weniger als 128 liter pro Tag pro Person könnten es durch eine bewusstere Nutzung und neue Ideen schon werden.

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?

Die Mittelschüler von der 6. bis zur 9. Klasse beschäftigten sich mit der Frage, wie wir in Zukunft wohnen und wie Städte lebenswerter gestaltet werden könnten. Vor dem Workshop bei uns im Tiny Pop Up haben sich die Klassen schon mit minimalistischen Raumkonzepten und multifunktionalen Möbeln beschäftigt. Multifunktionalität ist in einem Tiny Home bekanntlich essentiell, aber auch in der Stadt der Zukunft unverzichtbar. Denn Platz ist Mangelware und je mehr Funktionen Raum erfüllen kann, desto besser.

Beim Workshop gab es drei Posten, die Klasse wurde also in drei Gruppen aufgeteilt und durchliefen die Themenbereiche Tiny Living, Urban Gardening und Stadtplanung. Im Bereich Tiny Living wurde durchs Tiny House geführt und es ging um die Chancen von Tiny Living in Städten. So wurde schnell klar, dass Tiny Houses eine von vielen Lösungsmöglichkeiten für nachhaltigen Wohnraum im urbanen Raum darstellen. Kleine Wohnformen entfalten überall dort ihre Vorteile, wo sonst kein Wohnraum mehr entstehen kann, weil eine Fläche zu klein oder unförmig ist. Ganz nach dem Prinzip der ökologischen Lückenfüller. Gebiete eigens für Tiny Houses auszuweisen ist eher in ländlichen Regionen sinnvoll.

Beim Posten Urban Gardening sollten sich die Jugendlichen erarbeiten, welch wichtige Funktionen Stadtgrün übernimmt und mit welchen Elementen in jedem Viertel relativ unkompliziert sogar aus Restmaterial Beete, Blumeninseln und grüne Fassaden geschaffen werden können. Zum Schluss sollten sich die Schülerinnen und Schüler in der Stadtplanung austoben. Auf was würden sie Wert legen, wie würden sie neue Viertel konzipieren und welche Rolle spielt Begrünung? Die Ergebnisse waren verblüffend und durchdacht. Betonwüsten wurden durch grüne Oasen ersetzt, auf Flachdächern wurden Tiny Houses mit Vertical Gardening Elementen und Grauwasserfiltern installiert und das Auto wurde oft schon gar nicht mehr eingeplant. Die Kids haben verstanden, dass in wachsenden Ballungsräumen nicht das Auto bzw. der Steh-KW, sondern öffentliche Verkehrsmittel den Weg in die Zukunft weisen. Und die Teilnehmenden haben auch gemerkt, wie viele Komponenten bei der Planung berücksichtigt werden müssen: Mobilität, bezahlbares Wohnen, Naherholung, Handel, Gesundheit, Bildung, Kultur und Vielfalt hinsichtlich Einkommen, Herkunft und Alter. Danke an alle Klassen für die tollen Ideen und bis zum nächsten Mal!

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Unsere Veranstaltungsvormate

FAQ

Unsere Veranstaltungen reichen vom Tag der offenen Tür über Flohmarkt, Open-Air Kino bis zu Vorträgen, Konzerten und Workshops. Die Themenbereiche umfassen hauptsächlich die Bereiche bezahlbarer Wohnraum, Tiny Living und Minimalismus, sowie verschiedenste Themen zu Nachhaltigkeit und Ökologie. Hier gibt´s einen genaueren Überblick über Themen, Zielgruppen unerer Events. Gerne könnt ihr uns für eine individuelle Anfrage auch kontaktieren.

Grosses Interesse an unserem Tiny House Erlebnistag

Grosses Interesse am kleinen Haus Am 17.09. war [...]

Umweltbildung – Schulklassen zu Besuch im Tiny PopUp

Kids zu Gast im Tiny House Das Tiny [...]

Wir haben einen Frischwasser- als auch einen Abwasseranschluss, der an das örtliche Leitungssystem angeschlossen werden kann. Da der Standort in Pasing über keine Anschlussmöglichkeiten verfügte, sammelten wir unser Brauchwasser bzw. beziehen Frischwasser über unseren Nachbarn. Das Grauwasser filtern wir ebenfalls durch verschiedene Kies-und Sandschichten und eine Pflanzenkläranlage, die gleichzeitig die Fassade begrünt. Durch die Verwendung von rein pflanzlichen Spülmitteln und Seifen stellen wir sicher, dass keine Schadstoffe oder Mikroplastik im Wasser landen. Die Labormessungen des pflanzengefilterten Grauwassers haben ergeben, dass wir es problemlos zum Gießen unseres urbanen Gartens verwenden können.

Am Standort in Pullach können wir uns ganz normal an Frisch- und Abwassernetz anschließen. Unsere Pflanzenkläranlage, die ja gleichzeitig unsere Fassade begrünt, werden wir weiterhin zwischenschalten. Genauso wie unsere Trocken-Trenn-Toilette.

Eine Trocken-Trenn-Toilette fängt Urin und Fäzes getrennt auf. Beides enthält wichtige Nährstoffe, die wir kompostiert und verdünnt der Natur zurückgeben können und so sinnvolle Kreisläufe schließen: Essen, Kacken, Kompostieren, Säen, Ernten und wieder Essen!

Nach ca. zwei Jahren ist das Ganze bester Hummus, nach Permakulturrichtlinien kompostiert. Durch die direkte Trennung mittels eines speziellen Einsatzes, wird starke Geruchsbildung verhindert. Und da an Stelle von wertvollem Trinkwasser lediglich etwas Sägespäne und Rindenmulch dazu gegeben werden, leistet eine Trocken-Trenn-Toilette einen grossen Beitrag zum Wassersparen. Durchschnittlich werden etwa 30% des täglichen Wasserverbrauchs für die Toilettenspülung gebraucht. Also ca 40l pro Tag und Person, um seine Hinterlassenschaften wegzuspülen.

Wir standen dem ganzen anfangs wirklich skeptisch gegebenüber. Das Konzept hat uns aber eindeutig überzeugt. Mittlerweile betrachten wir normale Klospülungen als sinnlose Sackgasse und hoffen auf mehr Kreislaufdenken im Sanitärbereich.

Von Goldeimer gibt es eine tolle Broschüre zum Thema: Selbstbau, richtiges Kompostieren, Terra Preta und ab wann Scheiße keine Scheiße mehr ist. Der Blog ist ebenfalls mega hilfreich

Im Tiny House war uns eine Spülmaschine wichtiger als eine Waschmaschine. Deshalb teilen wir uns diese am aktuellen Standort mit unseren Nachbarn. Je nach Standort und Gemeinschaftssituation gibt es verschiedene Lösungen. Vom Waschsalon bis zu Sharing is Caring ;-)

Generell sind wir aber der Meinung, dass nicht jeder Haushalt seine eigene Waschmaschine braucht, das machen uns auch viele Mietshäuser mit Waschküche im Keller für mehrere Parteien vor . Ein weiterer wichtiger Faktor beim Waschen ist Mikroplastik: es wird in Kläranlagen bisher nicht herausgefiltert. Deshalb gibt es mittlerweile spezielle Beutel, die die feinen Plastikpartikel auffangen, bevor sie ins Leitungssystem gelangen. Mehr Infos zu umweltverträglichem Waschen und den Beuteln, die Mikroplastik auffangen findest du hier.

Tiny Houses in der Stadt machen überall dort Sinn, wo nicht mehr in die Höhe gebaut werden kann bzw. soll. Dies können Flächen sein, wo erst in ein paar Jahren gebaut wird und die so für einige Jahre zwischengenutzt werden können. Aber auch Nachverdichtung ohne Flächenversiegelung ist ein wichtiger Punkt hinsichtlich Tiny Living: auf brach liegenden Grundstücken, Hinterhöfen, auf Flachdächern, Garagendächern oder Gärten um ein Einfamilienhaus kann bezahlbarer, als auch umweltschonender Wohnraum geschaffen werden, der den Boden nicht versiegelt. Hier liegen die Vorteile von “urban Tiny Living”: als ökologischer Lückenfüller.

Urban Tiny Living

Wissenswerte Zusatzinfos

SDG

Dieser Beitrag unterstützt folgende UN Nachhaltigkeitsziele:

Mehr zu den UN SDG Zielen
2022-09-05T16:53:02+02:00September 5th, 2022|Event, Nachhaltigkeit, PopUp Pullach|
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